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Jörg Wehrenberg - 11. Juni 2017

Hiob 11-14 (Seminar Teil 4)

Hiob und seine drei Freunde versuchen die Leiden Hiobs im Lichte der Herrschaft Gottes zu deuten. Drei Dinge bzw. Grundannahmen spielen dabei eine Rolle:

1) Der Tun-Ergehen-Zusammenhang (weiterhin abgekürzt als TEZ), wonach Gott es einem Menschen immer so ergehen lässt, wie es seine Taten verdienen;
2) Die Gerechtigkeit Gottes;
3) Die Gerechtigkeit Hiobs.

Da Hiob leiden muss, kann eine der drei Grundannahmen nicht stimmen. Die drei Freunde halten am TEZ fest und an der Gerechtigkeit Gottes. Damit ist für sie Hiobs Ungerechtigkeit erwiesen. Hiob nimmt seinen Ausgangspunkt bei seiner eigenen Gerechtigkeit. Er ist davon überzeugt, nichts getan zu haben, was diese Leiden verdient. Daraus folgt, dass entweder der TEZ nicht gilt oder Gott ungerecht ist. Zwar hält Hiob nicht so starr am TEZ fest wie seine Freunde, doch genug, um Gottes Gerechtigkeit in Frage zu stellen.

Damit versündigt sich Hiob gegen Gott, keine Frage. Aber Gott selbst hat Hiobs Gerechtigkeit bezeugt, dass er Gott dient aus Liebe und nicht wegen seiner Gaben. Es ist also richtig, dass Hiob an seiner Gerechtigkeit festhält. Würde er sie leugnen, nur um die Leiden loszuwerden, würde er seine Gerechtigkeit preisgeben. Er würde die Gaben, Gesundheit und Wohlstand, über Gott stellen und damit Gott in seinem Herzen verfluchen. Der Rat der Freunde läuft im Grunde genau darauf hinaus. Der Satan hat in der Einleitung nicht nur Hiobs Gerechtigkeit in Frage gestellt, sondern vor allem die Gerechtigkeit Gottes. Der Vorwurf gegenüber Gott lautet so: Wenn Gott die Gerechten mit reichlich Gaben segnet, fördert er in ihnen nicht eine Frömmigkeit, die von Heuchelei geprägt ist? Verführen die vielen Gaben den gerechten nicht dazu, dass er sie über Gott stellt? Genau das wird an Hiob geprüft: Haben die vielen Gaben, die Gott ihm geschenkt hat, ihn zu einem frommen Heuchler gemacht? Wird an Hiob erwiesen werden, dass Gott in einem wesentlichen Teil seiner Herrschaft über die Welt, nämlich dass er die Gerechten mit Gaben segnet, sich irrt? Kommt nicht sogar seine Ungerechtigkeit zum Ausdruck, dass er Gerechte durch Gaben zum Götzendienst verführt?

Hiob stellt unter Beweis, dass Gott sich nicht irrt: Er hält an seiner Gerechtigkeit fest, Gott über die Gaben zu stellen. Gleichwohl stellt er seinerseits Gottes Gerechtigkeit in Frage. Und hier könnte Gott den Fall, der aufgeworfen worden ist, nämlich ob er gerecht ist, auf andere Weise verlieren. Nämlich indem er, wie Hiob dies fordert, ihm Gründe für seine Leiden angibt. Wenn Gott damit anfängt, sich dafür zu rechtfertigen, dass er Hiob leiden lässt, begibt er sich auf die Ebene des TEZ und erweist damit seine Ungerechtigkeit. Hiob muss lernen, dass die Lehre TEZ ihm nicht hilft, Gott über seine Gaben zu stellen und sich seiner Herrschaft vertrauensvoll zu unterstellen.

Aus der Serie: "Das Buch Hiob"

 

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